Grundlagen der fernöstlichen Ernährungslehre
Veröffentlicht von Gustav Lehner in TCM Ernährung · 18 Februar 2023
Die Basics
Bevor man die Ernährung in die Praxis umsetzt, ist
mindestens eine kurze Auseinandersetzung mit den Basics der TCM nötig und kann
für das Verständnis der einzelnen Ernährungsregeln hilfreich sein. Im Dschungel der westlichen Ernährungswissenschaften
versteht sich die chin. Ernährungslehre als zeitloses Denkmodell mit flexiblen
Anpassungsmöglichkeiten an konstitutionelle Vorgaben. Die
Anwendungsmöglichkeiten beschränken sich nicht auf Inhaltsstoffe oder
Zusatzstoffe, die eine globale Wirkung versprechen, sondern schöpfen aus dem
reichen Fundus „normaler“ Lebensmittel aus unserer Klimazone, abgestimmt auf
unsere Lebessituation und Konstitution. Entgegen anderer Lehrmeinungen kann
eine TCM-Ernährungsempfehlung aus wenigen und einfachen Lebensmittel bestehen,
da wir davon ausgehen, dass nicht alle Lebensmittel für alle Menschen geeignet
bzw. sogar schädlich sind. Es gilt somit, den für uns richtigen Teil der
Nahrungsmittel und Kochmethoden zu finden.
Grundlehren der TCM
Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) bezeichnet
alternative Heilverfahren, die auf einen reichhaltigen, jahrtausendealten
Erfahrungsschatz zurückblicken, in die aber auch neue, wissenschaftliche
Erkenntnisse einfließen. Aus europäischer Sicht ist die Annäherung an die TCM
nicht immer ganz einfach. Denn die TCM sucht nicht nach schnellen Antworten.
Sie probiert immer, den Dingen auf den Grund zu gehen, anstatt Symptome zu
bekämpfen. Dieses ganzheitliche Denken und Betrachten des Menschen in seiner
Gesamtheit ist die große Stärke der TCM. Aber auch eine Herausforderung. Wer
Zugang zu dieser Medizin-Philosophie und Denkweise finden will, muss daher in
einem ersten Schritt die wichtigsten Grundlehren und -begriffe verstehen, die
das allumfassende Weltbild der TCM prägen.
Warum die Zahl 5 in der TCM eine große Rolle spielt
In China gilt die Zahl 5 als die Zahl des Lebens. Verkörpert
wird sie unter anderem durch die 5 Elemente Holz, Feuer, Erde, Metall und
Wasser. Diese 5 Elemente wiederum werden 5 Wandlungsphasen zugeordnet, die in
der chinesischen Lehre der Beschreibung von zeitlichen Abläufen, so wie den
Jahreszeiten (in China unterscheidet man dabei ebenfalls 5) aber auch den
Wachstums- und Entwicklungsphasen des Menschen, dienen. In der Therapie gibt es ebenfalls 5 Säulen, um die
körperlichen sowie psychoemotionalen Beschwerden zu behandeln. Ich habe 5
Grundlehren für Sie zusammengefasst und versuchen zu erklären, was sich
dahinter verbirgt.
Grundlehre Nr. 1: Yin & Yang -
Vereinigung der Gegensätze
Die beiden Urkräfte Yin und Yang gehören zu den ältesten und
fundamentalsten Grundbegriffen der chinesischen Philosophie und Medizin. Auch
ihr Symbol ist jedem von uns bekannt. Doch wofür steht es?
Die chinesische Medizin basiert auf der Jahrtausende alten
chinesischen Philosophie des Taoismus, in der das Wissen um das Tao eine
wichtige Rolle spielt: Als Tao bezeichnen die Chinesen das Eine, das
Allumfassende, das Prinzip, das der Welt zu Grunde liegt. Es ist die innere
Gesetzmässigkeit, die die Natur ordnet, symbolisiert durch den Kreis, eine
Linie ohne Anfang und Ende.
Warum Disharmonien laut TCM Krankheiten auslösen können ?
Aus Sicht der TCM sind auch alle Körperteile und Organfunktionen
nach Yin und Yang eingeteilt, dabei entstehen Erkrankungen aus einem
Ungleichgewicht des dynamischen Zusammenspiels. Zur Yin-Seite zählen unter
anderem das Körperinnere, die Lunge, das Herz, die Leber, Kälte und
Feuchtigkeit sowie die Körpersäfte. Dem Yang zugeordnet sind das Körperäußere,
der Dick- und Dünndarm, Hitze und Trockenheit sowie alle bewahrenden
Körperteile (Magen, Blase, Gallenblase, usw.). Im Körper steht Yang unter
anderem für die Wärme, die Energie und Aktivität sowie die Lebensfreude. Nach
dem Verständnis der TCM zeigt sich daher ein Yang-Mangel in Kältegefühl und
ständigem Frieren, Müdigkeit oder depressiven Verstimmungen. Yang-Fülle äußert
sich in Form von Hitzegefühl, Schwitzen, Sodbrennen, Aggressivität und Wut.
Ein gesundes Yin zu haben bedeutet ?
Lebenssaft und Substanz zu besitzen. Dadurch werden
vorübergehende krankmachende Einflüsse, wie Klimaveränderungen, Ärger,
Überanstrengung oder schlechtes Essen, ausgeglichen.
Auf der körperlichen Ebene sorgt es für die Fähigkeit, sich
zu entspannen, für erholsamen Schlaf und für gute Nerven; auf der psychischen
Ebene ist das Yin für Gelassenheit, Geduld und Zurückhaltung zuständig.
Kräftige Knochen und Zähne, glänzende Augen und Haare, rosige Wangen und Lippen
sind Zeichen einer starken Yin-Wurzel.
Ein gesundes Yang bedeutet ?
Lebenskraft und Energie zu haben. Auf der körperlichen Ebene
ist es für Leistungsstärke, Dynamik, kraftvolle Verdauung und starke
Abwehrkräfte verantwortlich. Zum Yang gehören auch die beiden Faktoren Qi
(Energie) und Wärme.
Das Yang, d.h. alle aktiven Prozesse in unserem Organismus
geben uns die Kraft und Klarheit, unser Leben zu meistern. Gesund sind wir
also, wenn Yin und Yang in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen.
Dann haben wir sowohl Lebenskraft, wie auch Lebenssaft und Lebensfreude.
Grundlehre Nr. 2: Die 5 Grundsubstanzen
Laut TCM gibt es in unserem Körper fünf Grundsubstanzen, die
für die verschiedenen Lebensabläufe sorgen.
Qi – die Lebensenergie
Als wichtigste dieser Grundsubstanzen gilt das Qi. Es
beschreibt im Grunde genommen die Lebensenergie und ist ein fundamentaler
Begriff in der TCM. Im übertragenen Sinn bedeutet es so viel wie „Energie“,
„Vitalität“, „Quelle des Lebens“ oder „innere Kraft“. Als die drei Quellen für
Qi gelten das „vorgeburtliche Qi“, das von den Eltern auf das Kind übertragen
wird, das „Nahrungs-Qi“, das der Mensch aus der Nahrung aufnimmt, und das
„Atem-Qi“, das von der Lunge aus der Luft gewonnen wird. Bei einem gesunden Menschen
durchströmt das Qi harmonisch und gleichmäßig den Körper und versorgt ihn mit
Lebensenergie – sowohl auf körperlicher wie auf geistiger Ebene. Unsere
Gesundheit ist also davon abhängig, ob Qi ausreichend vorhanden ist und
ungehindert fließen kann.
Jing, Essenz – die Lebensessenz
Die Lebensessenz wir aus vorgeburtlichem und
nachgeburtlichem Qi gebildet. Vorgeburtliches Qi (pränatal) erhält man bei der
Zeugung und der Prägung von seinen Eltern. Ist durch Wachstum und Essen eine
bestimmte Menge an postnatalem Qi erreicht, setzt die Pubertät ein, der Beginn
der Entwicklung zur sexuellen Reife. Das vorgeburtliche Qi ist zuständig für Zell- und
Gewebserneuerung, es ist Träger der Erbinformation (DNS), verantwortlich für
die Lebensspanne, die Entwicklung, das Wachstum, die Fortpflanzung und den
Alterungsprozess und die Erhaltung der Gesundheit, es kann nicht vermehrt
werden. Die Nieren geben
jeden Tag ein wenig dieses pränatalen Qi ab um die Körperfunktionen in Gang zu
bringen. Dadurch wird die Essenz im Laufe des Lebens Tag um Tag weniger, wir
altern. Alles was er darüber hinaus täglich braucht, holt sich der Körper an Kraft und Saft (je nach Bedarf) vom
nachgeburtlichen (postnatalen) Qi. Wichtig ist, dass dieses in ausreichendem
Maß vorhanden ist, falls nicht, wird das vorgeburtliche Qi angezapft. Das geht
an unsere Substanz, zunächst merkt man davon nichts, im Laufe der Zeit, wenn
die pränatale Essenz schon deutlich weniger geworden ist, ist es erkennbar z.B.
daran, dass wir früher altern, dass unsere Widerstandskraft deutlich abgenommen
hat, dass wir unsere Leistungsfähigkeit deutlich eingebüßt haben. Es ist wichtig, darauf zu achten, dass unsere Essenz täglich
nur als Starter für sämtliche Lebensprozesse Verwendung findet und nicht
darüber hinaus vorschnell aufgebraucht werden muss. Deshalb ist das Wissen und
die Sorge um das postnatale Qi von großer Bedeutung. Selbst wenn das pränatale
Qi schon aufgebraucht worden ist, hilft die gute Pflege des postnatalen Qi
noch, die Lebenskräfte einigermaßen am Laufe zu halten.
Das nachgeburtliche (postnatale) Qi (Jing) wird gebildet aus
der Nahrung und der Atemluft im Verhältnis: 2:1.
Alles was am Tag aus Nahrung und Atemluft nicht verbraucht
worden ist, wird als postnatale Essenz in den Nieren gespeichert. Hochwertiges,
bekömmliches Essen, Gute Luft, ausreichend Schlaf und Erholung, sowie maßvolle
Bewegung dienen dazu, postnatales Jing aufzubauen und helfen, mit dem
pränatalen Jing sparsam umzugehen. Darauf nur im Urlaub zu achten, ist zu
wenig. Die Kunst möglichst alt, bzw. in hoher Gesundheit alt zu werden besteht
darin, möglichst viel postnatales Qi aufzubauen, um möglichst wenig vom
pränatalen (= „elterlichen“) Qi verbrauchen zu müssen. Eine Gute Ernährung ist kein Luxus, sondern Teil der
Lebenspflege! Ein Gesunder Atemrhytmus hilf auch schnell wieder in Balance zu
kommen, Stress zu reduzieren, Blutdruck zu senken und viel Körperfunktionen
auszugleichen.
Shen – die Geisteskraft
Shen gehört neben Qi und Jing zu den „drei Schätzen“ der
TCM. Alle drei sind eng miteinander verbunden. Shen steht für den Geist und
kontrolliert unser Denken und unser Fühlen. Also das Bewusste ebenso wie das
Unbewusste. Shen steht daher nicht nur für unsere Intelligenz und das
Erinnerungsvermögen. Auch Emotionen und Erfahrungen beeinflussen unser Shen und
damit letztlich unsere Lebenseinstellung. Nach der TCM erkennt man daher ein
gesundes Shen an den leuchtenden Augen, der klaren Sprache und der positiven
Ausstrahlung eines Menschen.
Xue – Blut
Der Begriff Xue wird meist mit „Blut“ übersetzt, geht in der
TCM aber weit über die westliche Vorstellung von Blut hinaus. Denn Xue
beinhaltet auch einen energetischen Aspekt. Das Blut versorgt nicht nur die
Organe mit Nährstoffen und befeuchtet den Körper, es nährt auch das Qi. Das Qi
wiederum bewegt das Blut im Körper. Daher sind Xue und Qi in der TCM eng
miteinander verbunden.
Jin Ye – die Körperflüssigkeiten
Jin Ye ist in der TCM der Sammelbegriff für alle Körperflüssigkeiten.
Darunter fallen alle Arten von klaren und trüben, dünn- und dickflüssigen
Körperflüssigkeiten. Also Sekrete, Schweiß, Speichel oder Tränen ebenso wie
Gelenkschmiere oder Urin.
Grundlehre Nr. 3: Die Meridiane
Nach Vorstellung der TCM zirkuliert das Qi (also die
Lebensenergie) auf einem Netz an energetischen Bahnen, die unseren gesamten
Körper durchziehen. Sowohl an dessen Oberfläche als auch im Körperinneren.
Meridiane sind somit Energieleitbahnen, die alle Bereiche des Körpers – also
jedes Organ, jeden Muskel und jede Zelle – mit Energie und Blut versorgen.
Ähnlich wie die Nervenbahnen, Arterien, Venen und Lymphgefäße.
Die TCM unterscheidet dabei verschiedene Meridiansysteme:
Die 12 Hauptmeridiane sind je zur Hälfte in Yin
(Speicherorgane) und Yang (Hohlorgane) unterteilt und stehen in Verbindung mit
den inneren Organ- bzw. Funktionskreisen. Sie sind einander jeweils paarweise
zugeordnet (z.B. Niere-Blase, Herz-Dünndarm) und symmetrisch auf beiden
Körperseiten zu finden. Die Hauptmeridiane liegen direkt unter der Haut und
sind daher am einfachsten für verschiedene Behandlungen (speziell Akupunktur)
zugänglich. Für die klassische Akupunktur oder Akupressur spielen fast
ausschließlich diese 12 Hauptmeridiane eine Rolle. Stimuliert man bestimmte Reizpunkte
auf der Haut, kann man laut TCM unmittelbar auf den Organkreis sowie die ihm
zugeordneten seelischen Belange einwirken.
Die acht außerordentlichen Meridiane haben keine direkte
Verbindung zu den Organen und bis auf zwei auch keine eigenen Akupunkturpunkte.
Sie liegen im Inneren des Körpers und werden über Verbindungspunkte der
Hauptmeridiane aktiviert. Diese Meridiane stehen in enger Verbindung zu unserer
Essenz (Jing) und verteilen die sogenannte Ursprungsenergie im Körper.
Neben diesen gibt es noch sogenannte Luo Gefäße, die die 12
Hauptmeridiane über spezielle Punkte miteinander verbinden.
Die oberste energetische Schicht bilden die
tendinomuskulären Meridiane. In ihnen fließt die sogenannte Abwehrenergie. Die
verhindert, dass krankmachende Faktoren in den Körper eindringen und spielen
speziell bei der Shiatsu, APM, Massage oder beim Schröpfen eine Schlüsselrolle.
Grundlehre Nr. 4: Die 5 Elemente
Als Erfahrungsmedizin basiert die TCM auf Beobachtungen von
Naturgesetzen, die auf den Menschen übertragen wurden. Daher ist auch die 5
Elemente-Lehre bzw. das Konzept der 5 Wandlungsphasen tief in der
traditionellen chinesischen Philosophie verankert. Sie besagt im Grunde, dass sich alles – auch Organe und
Funktionen – in die 5 Grundelemente Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser
aufteilen lässt. Diese fünf Elemente gelten als Grundkräfte der Natur, die sich
in jedem Menschen wiederfinden. Sie sind jedoch nicht statisch, sondern
unterliegen einem ständigen Wandel und stehen in dynamischer Wechselwirkung zueinander. Daher sind die 5 Wandlungsphasen auch ein universelles
System zur Beschreibung zyklischer Prozesse, der Wechselwirkungen zwischen
Mensch und Umwelt sowie zwischen den einzelnen Organen und Funktionen im
menschlichen Organismus.
Die Fünf Elemente, spiegeln also viele bereits vertraute
Naturgesetze wieder. Nach der Lehre der TCM ist der Mensch ein energetisches
Gefüge, das durch den Einklang von Geist, Körper und Seele eine Einheit bildet.
Dabei durchfließt jeden Menschen das Energiepotenzial Qi, das durch die Balance
von Yin Lebenssäfte und Yang Lebenskräften (die in allen Lebenswelten der TCM
eine wichtige Rolle spielt) aufrechterhalten wird. Deshalb liegt der Fokus
einer Lebensweise nach den Prinzipien der TCM darauf, die fünf Elemente sowie
Qi, Yin und Yang, die gemeinsam ein komplexes System bilden, in einer
konstanten Harmonie zu halten. Verdeutlicht werden die Phasen häufig an der
Jahreszeitenfolge, wobei man in der TCM analog zu den fünf Wandlungsphasen von
fünf Jahreszeiten spricht.
FEUER
Feuer steht für die Lebensphase des Heranwachsenden, für die
Zeit des Sommers und für Hitze. Dem Element Feuer werden die Organe Herz und
Dünndarm zugeschrieben. Der Dünndarm trennt das Gute vom Schlechten, auch auf
emotionaler Ebene. Das Herz ist laut TCM verantwortlich für die Harmonie
unserer Seele. Es beherbergt den Geist „Shen“ und steht für die Fähigkeit mit
anderen Menschen in Kontakt zu treten und gute Beziehungen aufzubauen. Das Herz
sorgt außerdem für die Blutzirkulation im Körper und kontrolliert die
Blutgefäße. Auch die Sprache wird dem Herz zugeordnet. So deuten etwas
schnelles Sprechen oder Stottern auf eine Disharmonie des Herzens hin. Ist das Herz gesund, sprüht der Mensch vor Lebenslust und
Begeisterungsfähigkeit. Umgekehrt können Nervosität, Schlaflosigkeit oder
depressive Verstimmung laut TCM auf eine Erkrankung im Funktionskreis des
Herzens hindeuten.
ERDE
Das Erde-Element symbolisiert den Spätsommer, also die Zeit
der Ernte. Im Lebenszyklus des Menschen ist es das erwachsen geworden Sein. Der
Erde werden außerdem das Organsystem Milz-Magen zugeschrieben. Es bezeichnet
unsere Mitte. Nach TCM versorgt der Magen alles mit Energie und die Milz
produziert Lebensenergie Qi. Bei Patienten, die unter Müdigkeit leiden,
versucht die TCM daher immer auch den Verdauungstrakt zu stärken, da
Energielosigkeit auf eine entsprechende Schwäche hindeutet. Die belastende
Emotion dieses Elements ist das Grübeln. Wer sich also zu viele Sorgen macht,
schwächt seine Mitte (daher auch der Ausdruck: „Das schlägt mir auf den
Magen.“)
Eine starke „Mitte“ fördert die Konzentration, das logisches
Denken und ein gutes Gedächtnis.
METALL
Die TCM hat den Herbst dem Metall-Element zugeordnet. Der
Herbst steht für die Zeit des Alters. Man trennt sich von Altem, um Platz für Neues
zu schaffen. Dazu passen auch die Organe Lunge und Dickdarm, die dem Element
Metall zugeschrieben werden. Der Dickdarm scheidet – auch im seelischen Bereich
– belastende Dinge aus. Die Lunge hat ebenfalls eine filternde Funktion und
verbindet die Außen- mit der Innenwelt. Aus diesem Verständnis heraus versucht
die TCM unter anderem auch über die Lunge das Immunsystem zu stärken.
Die Haut ist das zugehörige „Organ“, deshalb kann sie auch
ein Indikator für eine Schwäche in diesem Element sein, das sich in Form von
Hautproblemen wie Neurodermitis oder Ausschlägen bemerkbar machen kann. Trauer und Sorgen um die Zukunft sind die belastenden
Emotionen dieses Funktionskreises.
WASSER
Auf das Element Metall folgt schließlich das Element Wasser,
das auch den Winter symbolisiert. Es ist die Zeit des Stillstands. Die Kräfte
in der Natur ziehen sich zusammen, um neue Energie zu sammeln. Lebewesen und
Pflanzen kommen zur Ruhe, um ihre Essenz im Inneren zu bewahren und zu
speichern. Der Winter ist somit die Zeit der (inneren) Reifung, damit im
Frühling wieder alles zu sprießen und wachsen beginnen kann. Wasser gilt als
Ursprung allen Lebens und als jenes Element, das den Anfang mit dem Ende verbindet. Medizinisch betrachtet sind dem Element die Organe Niere und
Blase zugeschrieben, die den Wasserhaushalt unseres Körpers regulieren. Die
Nieren gelten in der TCM als Speicher unserer Energie-Reserven und Wurzel
unseres Lebens. Der Organfunktionskreis Niere-Blase ist besonders empfindlich
gegenüber Kälte sowie Stress und zu wenig Schlaf. Als belastende Emotion wird
die Angst den Nieren zugeschrieben bzw. kann Ängstlichkeit ein Hinweis auf eine
schwache Nierenenergie sein.
HOLZ
Das Element Holz ist dem Frühling zugeordnet. Es
repräsentiert Wachstum, die Phase, in der alles sprießt und gedeiht und
symbolisiert die Kindheit. Dem Element Holz werden die Organe Leber, die für
den freien Fluss der Energie im Körper sorgt, und Gallenblase zugeschrieben.
Die Leber speichert Blut und versorgt Sehnen und Augen. Bei einem Leber-Blut-
Mangel kann es zu Muskelkrämpfen oder trockenen Augen kommen. Auch die
Menstruation wird in der TCM mit der Leber-Funktion in Verbindung gebracht. Dem Element zugeordnet wird außerdem immer ein Geschmack –
im Fall von Holz sauer. Wichtig ist das für die Kräuterheilkunde, die unter
anderem über dem Geschmack bestimmte Heilkräuter zu den gewünschten Organen
„bringen“ kann. Selbst Emotionen sind den Elementen zugeordnet. Holz steht
demnach für Wut oder Zorn. Nach dem Verständnis der TCM treten Wut oder Aggressionen
beispielsweise auf, wenn die Leber-Energie gestaut ist oder umgekehrt führt vor
allem auch unausgelebter Zorn zu einer Disharmonie im Funktionskreis Leber.
Dies kann sich beispielsweise in Form von Kopfschmerzen, Verspannungen oder
Bluthochdruck zeigen. Bewegung und Kreativität hingegen fördern den Energiefluss
der Leber.
Grundlehre Nr. 5: Heilverfahren oder die Fünf Säulen
Die Traditionelle Chinesische Medizin greift auf fünf
verschiedene Behandlungsverfahren zurück, die auch als die „fünf Säulen“ der
TCM bezeichnet werden. Jede Behandlung erfolgt individuell und zielt meist auf
eine Veränderung der bisherigen Lebensgewohnheiten ab, die eine Disharmonie und
damit Erkrankung verursacht haben.
Zu den 5 Säulen zählen die:
KRÄUTERHEILKUNDE:
Zwischen 70 und 80 Prozent aller Behandlungen in der TCM
greifen auf die Kräuterheilkunde zurück. Damit ist sie in der TCM die
wichtigste Methode. Die Traditionelle Chinesische Medizin verfügt über einen
reichen Schatz an Heilmitteln und Erfahrungswerten. Dementsprechend handelt es
sich bei den Verordnungen meist um komplexe und pharmakologisch hoch wirksame
pflanzliche Rezepturen, die in Österreich ausschließlich von dafür
ausgebildeten Ärzten verordnet werden dürfen und nur in darauf spezialisierten
Apotheken gekauft werden sollten. Sowohl Dosierung als auch Zusammensetzung
werden individuell auf den Patienten zugeschnitten und im Verlauf seiner
Erkrankung immer wieder angepasst.
AKUPUNKTUR und Akupressur:
Der Begriff „Akupunktur“ setzt sich aus dem lateinischen
Wort acus (Nadel) und punctura (Stich) zusammen und bedeutet so viel wie
„Therapie mit Nadeln“. Die Akupunkturpunkte können jedoch auch durch
Fingerdruck (Akupressur), Wärmebehandlungen (Moxibustion) oder Softlaserstrahl
(Laserakupunktur) stimuliert werden. Ziel der Akupunktur ist es, die Energie in
den Leitbahnen positiv zu beeinflussen bzw. das Qi zu stärken (oder ein Übermaß
an Qi abzuleiten), um Blockaden oder Stauungen zu lösen. Die Akupunkturpunkte
liegen in der Regel auf den Hauptmeridianen, die auch Einfluss auf des
Körperinnere bzw. unsere Organe haben. Besonders bewährt hat sich die
Akupunktur bei der Schmerztherapie, bei Beschwerden des Bewegungsapparates und
Migräne.
ERNÄHRUNG:
Um die Gesundheit zu fördern, die Heilung von Krankheiten zu
begünstigen und das seelische Gleichgewicht zu gewährleisten, spielt die
Ernährung in der TCM eine tragende Rolle. Die chinesische Ernährung oder auch
Ernährung nach den 5 Elementen genannt, geht davon aus, dass unser Körper mit
der jeweiligen Eigenschaft der Nahrungsmittel interagiert und wir deshalb genau
darauf achten sollen, was wir täglich zu uns nehmen. Jedes Lebensmittel hat eine bestimmte thermische Eigenschaft
(erfrischend, kalt, neutral, wärmend heiß). Je nachdem ob wir viel Hitze oder
Kälte haben, sollen wir die entsprechenden Nahrungsmittel wählen. Die
Jahreszeit ist dabei auch zu beachten. Im Sommer können wir mehr kühlende
Nahrungsmittel (Früchte, leichte Gemüsegerichte…) zu uns nehmen und im Winter
mehr Wärmendes wie z. B. langgekochte Suppen, Fleischgerichte…
Wie in der Kräutermedizin spielt in der TCM Ernährung der
Geschmack eine große Rolle. Jedes Nahrungsmittel wird einem bestimmten Element
und somit Geschmack zugeordnet. Je
nachdem ob wir Energie aufbauen wollen, überschüssige Feuchtigkeit ausleiten,
die Energie in Bewegung bringen wollen…, sollten wir auf die entsprechende
Geschmacksrichtung der Nahrungsmittel achten. Ein Zuviel von einem Geschmack kann aber auch zu einem
Ungleichgewicht im Körper führen. Zu viel Süßes beispielsweise führt zu viel Feuchtigkeit
im Körper und kann die Energie des Verdauungstraktes „ersticken“, was Müdigkeit
und Trägheit auslöst.
MASSAGE:
Heilmassage oder Shiatsu (Tuina)-Massage, Tuina bedeutet
übersetzt so viel wie „drücken, schieben“ (tui) und „ziehen, greifen“ (na), Shiatsu
bedeutet „Daumen druck“. Diese manuellen Techniken kommen bei der Behandlung
zum Einsatz und wirken auf Haut, Muskeln, Nerven und Knochen. Ziel der Massage
ist es, Blockaden zu lösen und Störungen des Energieflusses zu beheben. Dadurch
können die Blutzirkulation angekurbelt aber auch funktionelle Störungen der
Organe behoben werden. Auf diese Weise bringt Shiarsu den Organismus wieder in
Balance und Harmonie.
BEWEGUNGSLEHREN:
Tai-Chi, Qigong, Yoga
oder Tai-Chi-Chuan sind allesamt Bewegungs-, Atem-, Konzentrations-
Meditationsübungen, die in der TCM angewandt werden, um den Energiefluss zu
stärken und Erkrankungen des Bewegungsapparates vorzubeugen. Meist handelt es
sich um Bewegungen, die sehr langsam und kontrolliert ausgeführt werden. Ihr
Ziel ist es, das Qi zu harmonisieren, die Atmung, die Verdauung und unseren
Bewegungsapparat – aber auch ein positives Lebensgefühl – zu stärken.Es gibt noch keine Rezension.